Ein wesentliches Element des Projekts „Stimme für Vielfalt. Wissen gegen Vorurteile" war die Entwicklung und Erprobung eines Trainingskonzepts, das auf die Vermittlung von Faktenwissen für Vielfalt und gegen Vorurteile abzielt und ein Argumentationstraining beinhaltet. Das Konzept der Trainings wurde auf der Grundlage des entsprechenden Trainings der erfolgreichen Kampagne der Stadt Barcelona („Anti-Rumor-Agents“) entwickelt. Die Kampagne der Stadt Barcelona hat das Ziel, Verdächtigungen, falsche Vorstellungen und Vorurteile zu widerlegen, die viele Alteingesessene in Bezug auf Minderheiten und Zuwanderer hegen. Es wurden dort Anti-Verleumdungs-Bevollmächtigte geschult, um falsche Behauptungen zu zerstreuen sowie die Kampagne in lokale Organisationen und die Quartiere der Stadt zu tragen. Durch Maßnahmen im Alltag können diese Agenten Vorstellungen über Zuwanderer, die jeglicher Grundlage entbehren, widerlegen und damit Diskriminierung bekämpfen.

Ziel war es, auch für Nürnberg ein entsprechendes Trainingskonzept zu entwickeln, um Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu schulen. Die notwendigen Anpassungen an die Nürnberger Gegebenheiten und an die Besonderheiten des Stadtteils Langwasser und die weiteren Konzeptarbeiten wurden in Zusammenarbeit mit Dr. Andréa Vermeer durchgeführt, einer erfahrenen Trainerin und Mediatorin und Gründerin der Internationalen Vermeer Akademie.

 

Den Trainingsmodulen liegt eine interaktionistisch-konstruktivistische Didaktik zugrunde: Wissenselemente sollen nicht nur frontal vermittelt, sondern auch verinnerlicht werden. Dazu ist es wichtig kein „träges Wissen“ zu erzeugen sondern situiertes Wissen, d.h. der Lernprozess findet in einer authentischen Situation statt und der/die Lernende kann seine/ihre Wissenselemente direkt mit dem Kontext verbinden. Ziel ist es in der Rolle als Botschafter/in für Vielfalt neue Perspektiven und fremde Weltbilder im Rahmen der Interaktion wahrzunehmen, die zum einen zu einer Rekonstruktion des eigenen Weltbildes führen. Zum anderen bildet das Training für Teilnehmer/innen eine Schlüsselkompetenz für die Anleitung ihrer neu erlernten Handlungsmuster. Die Trainingseinheiten sollen die Teilnehmer/innen in ihrer eigenen Kompetenz im Umgang mit schwierigen Situationen stärken und das persönliche Potential steigern, um damit auch anderen Personen Orientierung zu geben.

Die Trainings sind in 4 Module zu jeweils 3 Stunden aufgebaut. Bei vorhandenen Grundkenntnissen ist Modul 1 für eine erfolgreiche Teilnahme am Training optional.

Vermittelt werden in den Modulen folgende Inhalte:

Modul 1: Kultur, Migration, interkulturelle Kompetenz: Zahlen und Fakten

Ziel von Modul 1 ist es, die Grundlage für eine offene und vertrauensvolle Seminaratmosphäre zu schaffen und den Teilnehmenden grundlegende Fakten zum Thema Migration zu vermitteln. Daneben werden die Teilnehmenden mit den vielfältigen Aspekten des Themenbereiches Interkulturalität vertraut gemacht.

Modul 2: Wissen über Vorurteile

Zielsetzung des zweiten Moduls ist die Vermittlung von alltagsrelevanten Grundlagen zum Thema Vorurteile. Die Teilnehmenden sollen vor allem sensibilisiert werden für die verschiedenen Wirkungsmechanismen von Vorurteilen und die damit verbundenen Diskriminierungen.

Modul 3: Widerlegen, aber richtig: Erfolgreiche Kommunikation gegen Vorurteile

Im Zentrum des dritten Moduls steht das Kennenlernen und Ausprobieren verschiedener Argumentationsstrategien für den Alltag. Durch verschiedene Gruppenübungen sollen die Teilnehmenden einen sicheren Umgang mit diskriminierenden Situationen entwickeln und so ihre Dialogfähigkeit verbessern.

Modul 4: Praktische Einsatzmöglichkeiten: Botschafter/in für Vielfalt in der Praxis

Das vierte Modul bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit offene Fragestellungen oder schwierige Situationen in einer weiteren Gruppenübung zu vertiefen. Zudem soll den Teilnehmenden Orientierung für aktuelle Einsatzmöglichkeiten als „Botschafter/in für Vielfalt“ gegeben werden.

Die Trainings wurden von Andrea Kaliner und Herwig Emmert, von InkuTra - Interkulturelle Trainings, durchgeführt. Als schriftliche Grundlage für die Trainings wurde das Handbuch „Ein praktischer Ratgeber für Botschafterinnen und Botschafter für Vielfalt“ entwickelt. Hauptziel dieses Ratgebers ist es, als Begleitmaterial zu den Trainings hilfreiche Methoden und Instrumente zu liefern, um die Fähigkeiten und Einstellungen zu verinnerlichen, mit denen im Gespräch mit anderen Aufklärungsarbeit gefördert werden kann. Der Ratgeber stellt ein solides Wissen zur Verfügung für Menschen, die sich aktiv für eine Sensibilisierung im Umgang mit Vorurteilen und Gerüchten einsetzen möchten. Der Ratgeber hilft, Wissen zu vertiefen, er gibt Tipps und beschreibt praktische Methoden. Der Ratgeber hat einen Umfang von 91 Seiten und ist auf Anfrage erhältlich. Bei Interesse an einem Training oder den Materialen dazu schreiben Sie uns gerne an.

Kontakt:

Thomas Müller: +49 (0) 911 231-8523, Kontaktformular